2 / 2015

Rundschreiben 2 / 2015 - Nr. 119

Inhaltsverzeichnis:
Moderne Zeiten
MICHEL-Kataloge
Ein Nachlass
Ein anderer Nachlass
Michel Handbuch Blocks und Kleinbogen Deutschland
Portoerhöhung
Warnung
Vereinsjubiläum
Nochmals: Gummierung
Randgebiete
Lübeck
Resteverkauf
Einladung
 

RS1502a

Werbung der Stadt Fürstenfeldbruck
2000 und 2014
 

Moderne Zeiten

Eigentlich wollte ich einen ganz einfachen Satz schreiben: „Der Sammler schickte die Marke an einen kompetenten BPP-Prüfer“.

Doch dann kamen mir Bedenken wegen des EU-Rechtes, der Gleichstellung, der Nicht-Diskriminierung usw. usw. Kann es nicht auch weibliche Sammler geben, oder gar geschlechtsneutrale? Muss es dann nicht „Der Sammler / die Sammlerin / das sammelnde Wesen“ heißen? Und gilt das nicht ebenso für die Marke? Wir kennen schließlich weibliche Briefmarken, zum Beispiel die Mauritius, männliche (der Schwarze Einser) und geschlechtsneutrale (das Ochsen­auge) ! Also lautet zwischenzeitlich der korrekte Satz „ Der Sammler / die Sammlerin / das sammelnde Wesen schickte der / die das Marke an...“.

Wenden wir uns nun dem kompetenten BPP-Prüfer zu. Jeder BPP-Prüfer ist, zumindest aus seiner Sicht und solange er lebt, absolut kompetent. Der Hin­weis im Satz auf einen kompetenten BPP-Prüfer könnte also unterstellen, dass es auch inkompetente gibt. Andererseits, ebenfalls zu berücksichtigen: Es gibt außer BPP-Prüfern auch noch andere Prüfverbände und unabhängige. Dass es sich um männliche, weibliche und geschlechtsneutrale Prüfer handeln könnte, das versteht sich von selbst. Noch nicht berücksichtigt wurde, dass es sich beim BPP um eine ziemlich deutsche Vereinigung handelt. Ergo könnten sich z.B. der spanische oder der französische Prüferverband diskriminiert fühlen.

Um gerichtlichen Streitereien aus dem Weg zu gegen ist es wohl am besten, ich schreibe obigen Satz gar nicht.

Diese Zeilen sind Haarspalterei? Nein, die Wirklichkeit erleben wir jeden Tag in den Nachrichten oder in Bundestagsdebatten: „Liebe Genossinnen und Genossen, wie meine Vorrednerinnen und Vorredner bereits betonten, werden die Wählerinnen und Wähler dem Herren Bundeskanzlerin...“

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Michel-Kataloge

Die aktuellen Kataloge sind in einem Hart-Einband. Im ersten Eindruck positiv, doch im täglichen Gebrauch ein echtes Elend. Man kann die Kataloge nicht mehr zum Vorsortieren von Briefmarken benutzen, außerdem wird der Ein­band bei normaler Nutzung des Kataloges brüchig. Das Papier ist extrem dünn und reißt sehr sehr leicht ein.

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Ein Nachlass

Stundenlang könnte man in dem Nachlass die Schönheiten einer Sammlung betrachten, die mit sehr viel Herzblut und Sachverstand über zwei Generationen angelegt wurde: Deutsches Reich ab Germania und Bundesrepublik, Berlin sowie DDR. Meist alle vier Ecken, in absolut sauberer Qualität. Nicht ein einziger Rand war umgeknickt, alle Marken perfekt gezähnt. Sehr, sehr viele Marken bestens geprüft. Oberränder mit Platten- und Walzendruck, OPD-Überdrucke beim Reich und Infla in allen möglichen Varianten. Natürlich Posthorn-Zusammendrucke mit Reklamefeldern, Heuss mit vielen Kombinationen aus Heftchenbogen, die ersten Jahre Bund aus den Bogenecken, jede Menge Form-Nummern, Reich mit Zwischenstegen, die Aufzählung würde ellenlang werden.

Ein Katalogwert wäre gar nicht zu ermitteln, gäbe wohl auch gar keinen Sinn.

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Ein anderer Nachlass

Ein gewaltiger Bestand (etliche Umzugskartons) an Belegen. Neugierig wirft man einen Blick hinein. Und macht den Karton ganz schnell wieder zu. Der gute Mann hat Belege gesammelt, und zwar alles, was irgendwie zu irgendwelchen Veranstaltungen an Belegen auf den Markt gebracht wurde. Egal ob Jubiläen, Eröffnung von Irgendetwas, Tauschtagen oder Briefmarkenmessen, die Belege wurden gekauft. Teilweise in erheblichen Stückzahlen, oftmals 10 bis 20fach. Selbst in den Wühlkisten werden wohl nur sehr wenige Belege neue Interessenten finden.

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Michel Handbuch Blocks und Kleinbogen Deutschland

In diesem „Handbuch“ hat die Michel-Redaktion die Blocks ab Deutschem Reich sowie die Kleinbögen (hauptsächlich der DDR) detailliert katalogisiert. So sind zum Beispiel die Einzelmarken und Zusammendrucke aus Blocks bewertet, was man ohnehin im Michel-Spezial erwartet hätte.

Bei oberflächlicher Durchsicht des Handbuches fallen etliche Fehler auf, meist handelt es sich um schlichte Schlampereien, es hat wohl niemand Korrektur gelesen.

Ein paar Beispiele: Seite 190 Kleinbogen DDR 2798 Abbildung Plattenfehler 1 und Abbildung Plattenfehler 2 sind gleich. Seite 191 DDR-Kleinbogen 2914, hier sind die Feldangaben für die Plattenfehler teilweise falsch. Seite 97 Block 9 DDR Bild vom Plattenfehler II ist das gleiche wie Plattenfehler II von Block 10 auf Seite 98 (den Plattenfehler gibt es bei Block 10 gar nicht). Seite 122 Block 49 DDR, hier finden sich Hinweise zu Farbverschiebungen bei Block 15 I und Block 15 II. Was die bei Block 49 zu suchen haben?

Bei jedem DDR-Block mit Ausnahme Blocks 85 und 86 findet sich der Hinweis „Es wurde kein amtlicher FDC ausgegeben“.

Und ganz nebenbei: Den Katalogwert meines Frauenblocks Bund mit fehlendem Zähnungsloch kenne ich nun auch nicht, er notiert im Handbuch ---

Fazit: Für stolze 69,80 Euro hätte man wesentlich mehr erwartet können.

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Portoerhöhung

Wie bereits im letzten Rundschreiben angekündigt: Die nächste Portoer­höhung kommt zum 1.1.2016. Das neue Porto für den einfachen Brief wird 70 Cent betragen. Die neue Marke aus der Blumenserie wird eine „Schokoladenblume“ sein, die alte 70iger hätte ja eigentlich auch gereicht. Die Preiserhöhung beträgt nur 12,9 Prozent, regen wir uns nicht auf, schließlich bekommen die Rentner vielleicht 3% Rentenerhöhung (abzüglich Krankenkasse, Krankenzusatzbeitrag, Pflege, Soli...). Oder was sind schon 12,9 % Portoerhöhung gegen die 25% Beitragserhöhung beim BDPh? Es stand sogar eine Erhöhung um gut 83% im Raume.

Die von der Post ständig propagierten Leistungsverbesserungen kann man nur als Schaumschlägerei bezeichnen, sie war früher viel besser. Schlichtes Beispiel aus dem Jahre 1899:
 

RS1502b

Dieser Brief wurde am 28.9.1899 zwischen 9 und 10 Uhr in Hadersleben (heute Haderslev, Dänemark) aufgegeben. Am gleichen Tage kam er zwischen 10 und 11 Uhr im knapp 12 km entfernten Woyens (heute: Vojens, Dänemark) an. Das Porto betrug 10 Pfennig.

Hier der Ankunftstempel:

RS1502c

Mit dem Deutsch-Dänischen Krieg kam 1864 das Herzogtum Schleswig als Kondominium zu Preußen und Österreich, nach dem Deutschen Krieg 1866 endgültig zu Preußen. Nach dem I. Weltkrieg, Dänemark war ja neutraler Staat, führten dänische Forderungen Anfang 1920 zu Abstimmungen und im Mai 1920 zur Teilung Schleswigs entlang der

 sogenannten Clausen-Linie. Nordschleswig wurde dänisch, Südschleswig blieb Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.

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Warnung

„Durch die von der Reichspostverwaltung seit einigen Jahren eingeführten Briefstempelmaschinen werden Freimarken auf den Briefsendungen vielfach nicht durch den eigentlichen Aufgabestempel, sondern durch einige parallel verlaufende Strichlinien entwertet. Durch diesen Umstand lässt sich das Publikum leider öfters verleiten, die derart entwerteten Marken abzulösen und nochmals zur Frankierung zu benutzen. Die Absender geben meistens an, die Striche nicht als Entwertungszeichen erkannt zu haben. Solche Behauptung schützt nicht vor einer Geldstrafe von mindestens drei Mark. Vor der Benutzung älterer und unsauberer Postwertzeichen ist deshalb auch auf etwaige von Maschinenpoststempel herrührende Strichlinien zu achten.“

(Reichspostverwaltung im Juni 1910)

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Vereinsjubiläum

Im Januar 2017 besteht unser Verein (als eingetragener Verein) seit 50 Jah­ren. Lange ist das nicht mehr bis zu den Festlichkeiten. Wir haben schon im Archiv gewühlt und haben ein paar nette Sachen gefunden. Ebenso hat uns Frau Knape dankenswerterweise die Rundschreiben von vielen Jahren zur Verfügung gestellt. Wer noch Erinnerungsstücke hat, z. B. Photos von Ausflügen oder Ausstellungen, bitte leiht sie uns zum Kopieren.

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Nochmals: Gummierung

Im letzten Rundschreiben waren einige Bemerkungen zur Gummierung. Dazu hat es viele Reaktionen gegeben, daher sind einige Ergänzungen notwendig:

Einkleben mit Mehlkleister war früher nicht gerade selten. Es sollte jedoch ergänzend darauf hingewiesen werden, dass die Verwendung von Mehlkleister nicht auf zu dünnen Blättern erfolgen sollte, beim Trocknen können sich die Blätter verziehen. Also auf saugfähiges Papier achten, zum Beispiel von der Firma Schaubeck. Bei zu großzügiger Verwendung von Mehlkleister ohne luftige Trocknung kann es zu Verfärbungen durch Mehltau kommen, im Extremfall sogar durch Fraßschäden durch Mehlwürmer. Sind Klemmtaschen vorhanden, dann sollte auf das Einkleben von Marken mit Mehlkleister verzichtet werden, die üblichen Klemmtaschen sind einfach nicht saugfähig genug.

Bei Fragen der Gummierung hilft selbstverständlich der Verein. Sogar für Spargummi bei den Ausgaben der SBZ haben wir zwei ausgewiesene Spezialisten, Lutz und Ralf kennen sich da sehr gut aus. Doch welchen Rat kann man Leuten geben, die nichts von Vereinen halten? Sie können sich bei diesbezüglichen Fragen sicherlich bei der hiesigen Polizei beraten lassen, die verfügt über hochwirksame Gummi-Knüppel und begleiten den Ratsuchenden (als Freund und Helfer) auch gerne nach Haar in die Gummizelle.

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Randgebiete

Der Ausbau bzw. die Verschönerung einer Sammlung war schon öfters Thema. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig, was es alles gibt, kann unmöglich in einem Rundschreiben dargestellt werden. Manche Ränder sind schon sehr auffällig, zumindest im Vergleich zu der einfachen Einzelmarke:

RS1502d

Beschränken wir uns also auf einige Beispiele:

RS1502e

Die Ecke dient als Nachweis, dass es sich um eine Bogenmarke handelt, die Formnummer 4 ist nicht häufig zu finden, außerdem hat die Marke am Unterrand eine versetzte Zähnung. Sieht schöner aus als jede Einzelmarke.

Formnummern gibt es in den vielfältigsten Arten und Stellungen, sie müssen nicht immer in der rechten unteren Ecke zu finden sein.

Noch zwei Beispiele:

RS1502f

Bei der linken Marke wurde die Formnummer 2 in Markenfarbe mit einer 2 in schwarz überdruckt. Gestempelte Marken ganz allgemein mit Rändern sind wesentlich seltener als postfrische, offensichtlich hat man in den meisten Fällen die Ränder beim Aufkleben abgetrennt. Bei den Sehenswürdigkeiten stehen die Formnummern am rechten Bogenrand, diese Serie lässt sich sehr leicht ausbauen.

Noch zwei Beispiele zu eigentlich einfachen Marken:

RS1502g

Gelegentlich findet man Schnittmarkierungen auf dem Bogenrand, nett, sieht besser aus als die Normalmarken. Die korrigierten Bogenwertzahlen kommen nur bei von der Versandstelle vollgestempelten Marken vor, ihre Stellung kann unterschiedlich sein.

Was beim Bund zu finden ist, das gibt es ebenso bei Berlin. Als Muster eine billige Marke mit Farbstreifen und zusätzlicher Inschrift „BERLIN“:

RS1502h

Es gibt viel mehr Besonderheiten, angefangen mit Oberrändern, durchgezähnte und nicht durchgezähnte Ränder, Ausgleichszähnungen, usw., usw. Bei fast allen DDR-Marken lassen sich Spezialitäten finden, hier sollte man jedoch bei den Druckvermerken darauf achten, dass sie wirklich komplett sind, teilweise gehen sie über drei Marken. Gleiches gilt für das Deutsche Reich, die beliebten „Hausauftragsnummern“ müssen komplett sein, halbe gibt es nicht.

Die Besonderheiten beschränken sich nicht nur auf Deutschland, auch im Ausland findet man nette Stücke, hier drei Franzosen mit Druckdatum, Bogen-Nummer und Reihenwertzahl, jeweils von Bogenrand:

RS1502i

Wem die Abbildungen bekannt vorkommen: Ja, bei der Saar wurde auf die gleiche Art gedruckt.

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Lübeck

Weihnachten naht, seit Monaten wird überall Lübecker Marzipan verkauft. Man kennt also Lübeck. Doch was soll uns die Werbung auf folgender Karte sagen?

RS1502j

Lübeck ist ganz weit oben, noch viel weiter als die Donau. Und immer geradeaus, irgendwann bei der Hamburger Reeperbahn schräg rechts abbiegen. Wenn man Nordlichter sieht und am gräulich kalten Teich steht, den die Teetrinker „Ostsee“ nennen, da irgendwo ist Lübeck. Und die sollen Rotweine anbauen? Gepanschte Glühweine mag man sich ja noch vorstellen können, aber Rotweine? Lübecker Nacktarsch bei 12 Grad Höchsttemperatur im Sommer? Oder verarbeiten die heimlich Rotalgen?

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Resteverkauf

Am 24. November wollen wir uns von einigen Dingen trennen, die sich im Laufe der Zeit im Verein angesammelt haben: Restbestände an Bruck-Marken, Ansichtskarten, Belegen, Spenden etc. Also, man sieht sich.

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EINLADUNG

Am Samstag 28.11.2015 um 18 Uhr ist es wieder soweit: Man trifft sich auf der Lände, gönnt sich ein gutes Essen, genießt das Dessert. Man unterhält sich und man dankt den Damen für ihr Verständnis und ihre Toleranz gegenüber unserem Hobby. Sicherlich wird es wieder eine Damengabe geben (zumindest für die angemeldeten Damen). Also: Wir sehen uns !!

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