Katalogauktionen

Katalogauktionen

In den letzen Jahren hat es viele Neugründungen von Auktionshäusern gegeben. Ein Indiz dafür, daß es sich um einen lukrativen Markt handelt. Im Auktionswesen fand ein erheblicher Umsatzzuwachs statt, dagegen hat der Fachhandel Probleme.

Wer nun meint, daß Konkurrenz das Geschäft belebt, irrt. Bei den Aufgeldern / Abzügen der Auktionsfirmen sind keine Senkungen zu erkennen. Ebensowenig hat sich irgend etwas bei den Nebenkosten (Kopien, Versandpauschalen, Verpackung, Versicherung etc.) zum positiven verändert.

Der Versuch, durch die Schaffung eine QualitätsStandards eine bessere Transparenz im AuktionsMarkt zu schaffen, kommt nicht richtig voran. Zwar hat der Verband der BDB etliche Mitglieder, doch geben sich die meisten davon nicht auf Ihren Katalogen als Mitglieder zu erkennen. Das ist bedauerlich, denn daß Schritte auf diesem Gebiet unternommen werden, war längst überfällig.

Die Untersuchung

Einige Dutzend Auktionskataloge von verschiedensten Firmen, meist von Vereinsmitgliedern erhalten, alle aus der Frühjahrssaison 1998, wurden untersucht. Die Auswahl der Kataloge war zufällig, gibt jedoch einen guten Querschnitt durch den Markt. Schwerpunkte der Betrachtung waren:

1. Auktionsbedingungen
2. Aufgelder
3. Ausrufpreise
4. Losbeschreibungen
5. Katalogaufmachung
6. Auffälligkeiten

1. Auktionsbedingungen

Das Lesen von Aktionsbedingungen ist interessant. Nur, wer macht das ? Bei einigen Firmen ist das sehr einfach, die Bedingungen beschränken sich auf einige wenige Zeilen. In anderen Katalogen umfassen die Bedingungen etliche, sehr klein bedruckte Seiten, und nach dem Lesen von drei Paragraphen weiß man gar nicht mehr, was eigentlich los ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß gerade die Firmen mit den gewaltigen Auktionsbedingungen in der Vergangenheit etliche Probleme mit ihren Kunden hatten, und nun per Auktionsbedingung neue Verteidigungslinien aufbauen wollen.

In allen Versteigerungsbedingungen finden sich Klauseln für den Gefahrenübergang. Mit dem Zuschlag eines Loses ist der Bieter quasi für die sichere Aufbewahrung zuständig. Auch das Risiko des Verlustes bei Versand trägt der Käufer. Im Normalfall hat er jedoch nicht einmal eine Einflußmöglichkeit auf die Form des Versandes (einfacher Brief, Wertbrief, versichert oder nicht, privater Paketdienst etc). Schlimmstenfalls ist das Los weg und der Erwerber muß trotzdem zahlen. Der Auktionator muß nur nachweisen, daß ihn kein grobes Verschulden trifft.

Der Zuschlag und die Nebenkosten sind kurzfristig fällig, teils erhebliche Verzugszinsen werden bei verspäteter Zahlung fällig. Ob manche Formulierung wie "5 Tage nach Rechnungserstellung" im Ernstfall vor Gericht Bestand hätten, muß bezweifelt werden. Simples Beispiel: Freitag erstellt Auktionator Rechnung, Samstag trifft sie bei mir ein, Montag gebe ich Überweisung bei Bank ab, acht Tage später hat Auktionator das Geld. Muß ich jetzt bereits Verzugszinsen zahlen ? Auch die Begutachtung des ersteigerten Loses durch einen Prüfer entbindet nicht von der Zahlungspflicht!

Prüfungen dürfen nur mit Zustimmung des Auktionators vorgenommen werden. In praktisch allen untersuchten Auktionsbedingungen ist jede Veränderung der ersteigerten Ware unzulässig. In einigen Bedingungen ist ausdrücklich die Anbringung eines Prüfzeichens als Veränderung in diesem Sinne erwähnt. Ausnahme: Exclusiv sowie Interphila lassen die Anbringung von Prüfzeichen zu.

 Reklamationsrechte sind zeitlich eng begrenzt, bei „aus mehreren Marken bestehenden Lots" ausgeschlossen. Rein von den Buchstaben her wäre also die Reklamation eines gefälschten Satzes nicht möglich. In der Praxis ließe sich jedoch zumindest bei fälschungsgefährdetem Material auf die Argumentation ausweichen, daß der Auktionator als Fachmann die Fälschung hätte erkennen müssen.

2. Aufgelder

Es ist nicht nur der Zuschlagpreis, der beim Käufer zubuche schlägt, hinzu kommen Aufgelder, Steuern, Losgebühren, Pauschalen für Porto und Verpackung. Zur Vereinfachung der Darstellung wurde angenommen, daß der Bieter drei unterschiedliche Lose erhält. Alle Kosten entsprechen den Bedingungen der jeweiligen Firma, waren für die Portokosten keine Angaben gemacht, wurden 10,- DM angesetzt. Berücksichtigt wurde weiterhin 1,10 DM Porto für das Gebot.

Erstes Beispiel:
Los zu 30,- DM
 

Firma:
Kl. L.
Ra. M.
He. M.
Be. H.
Ex. M.
Kl. S.
Ko. B.
Gr. H.
Kr. B.
Sa. GB
Ba. GB
Ra. EIRE

Zuschlag
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-
30,-

Aufgeld
17%
17%
17%
18%
17%
15%
17%
17%
15%
12%
0%
0%

Losgebühr
2,-
3,-
3,-
2,-
3,-
2,-
2,-
2,-
2,-
0,-
0,-
0,-

Porto
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
  0,-
11,1

MWST
2,59
1,13
2,59
2,64
2,59
2,50
2,59
2,59
2,50
2,35
   0,-     
1,78

Endpreis
48,20
49,20
49,20
48,50
49,20
47,60
48,20
48,20
47,60
44,70
30,-   
41,10

Die Nebenkosten machen also knapp 65% des Zuschlagspreises aus.

Zweites Beispiel:
Los zu 150,- DM
 

Firma:
Kl. L.
Ra. M.
He. M.
Be. H.
Ex. M.
Kl. S.
Ko. B.
Gr. H.
Kr. B.
Sa. GB
Ba. GB
Ra. EIRE

Zuschlag
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-

Aufgeld
17%
17%
17%
18%
17%
15%
17%
17%
15%
12%
0%
0%

Losgebühr
2,-
3,-
3,-
2,-
3,-
2,-
2,-
2,-
2,-
0,-
0,-
0,-

Porto
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
  0,-
11,1

MWST
5,86
2,56
5,86
6,10
5,86
5,38
5,86
5,86
5,38
4,66
0,-   
1,78

Endpreis
188,60
189,60
189,60
190,10
189,60
185,60
188,60
188,60
185,60
179,10
150,-   
161,10

Die Nebenkosten reduzieren sich auf etwa 26,50%.

Drittes Beispiel:
Los zu 1000,- DM
 

Firma:
Kl. L.
Ra. M.
He. M.
Be. H.
Ex. M.
Kl. S.
Ko. B.
Gr. H.
Kr. B.
Sa. GB
Ba. GB
Ra. EIRE

Zuschlag
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-
150,-

Aufgeld
17%
17%
17%
18%
17%
15%
17%
17%
15%
12%
0%
0%

Losgebühr
2,-
3,-
3,-
2,-
3,-
2,-
2,-
2,-
2,-
0,-
0,-
0,-

Porto
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
11,1
  0,-
11,1

MWST
28,98
12,68
28,98
30,58
28,98
25,78
28,98
28,98
25,78
20,98
0,-   
1,78

Endpreis
1183,10
1184,10
1181,10
1193,10
1184,10
1163,10
1183,10
1183,10
1163,10
1131,10
1001,10
1011,10

Noch immer betragen die Nebenkosten 16% - 18%

Bemerkenswert die drei ausländischen Anbieter, sie haben wesentlich geringere bis gar keine Nebenkosten. Hier können wir in Kürze vom EURO profitieren, wenn auch noch die bisher erforderliche Bezahlung per Kreditkarte vereinfacht wird.

3. Ausrufpreise

Die Firmen werben damit, daß Lose zum Vielfachen des Ausrufpreises zugeschlagen werden. Realistisch betrachtet ist das jedoch ein Hinweis auf nicht marktgerechte Ausrufpreise. Überspitzt: Wenn ich einen postfrischen Posthornsatz mit einer DM Ausruf in unsere Vereinsauktion gebe, dann kann ich auch damit rechnen, daß ein Vielfaches des Ausrufpreises als Erlös erzielt wird. Auch die oftmals beworbene Verkaufsquote („... 99% aller Lose verkauft") ist mit großer Vorsicht zu genießen. Bei realistischen Ausrufpreisen ist diese Aussage ein Hinweis auf interessiertes und finanzkräftiges Publikum, wird das Angebot verramscht (Gebotslose für 3 DM), dann stimmt die Werbung zwar rein mathematisch, ist jedoch kein Werbeargument für Einlieferer, die sich über viel zu geringe Erlöse wundern dürften.


4. Losbeschreibung

Jede Losbeschreibung bewegt sich am Rande der Legalität. Der Auktionator versucht, jedes Los möglichst positiv hervorzuheben, andererseits jedoch Ärger mit dem Käufer zu vermeiden. Nur wenige Auktionsfirmen beschreiben Mängel fair und ehrlich. Fast alle Auktionatoren versuchen, sich hinter der Klausel verkauft wie besichtigt oder für den Erhaltungszustand ist ausschließlich die Abbildung maßgeblich zu verschanzen. Welchen Knick kann ich auf einer schlechten Abbildung erkennen?

Durch die Betrachtung einer Masse an Losbeschreibungen eines Auktionators läßt sich jedoch ein Trend erkennen, ob die Firma tatsächlich noch aus dem letzten Knochen noch ein "bildseitig sammelwürdiges Stück" macht, oder den Trümmer als "billigen Lückenfüller mit etlichen Mängeln" bezeichnet.

Angaben des Michelwertes sind in vielen Auktionskatalogen merkwürdig. Da wird geschätzt, was das Zeug hält (... riesig, vielstellig, enorm), da wird sich auf die Einlieferer berufen (... nach Angaben des Einlieferers), da werden irgendwelche Zeichen erfunden (Michel 1.500 +++). Nur gut, daß sich bei den Auktionsbedingungen der meisten Firmen eine Klausel findet, die ungefähr lautet: "Sämtliche Katalogwerte sind cirka-Angaben und berechtigen in keinem Falle zu einer Reklamation".


5. Katalogaufmachung

Wenn für den Zustand der angebotenen Ware die Abbildung maßgeblich sein soll, dann müssen die Abbildungen vernünftig sichtbar sein. Das gilt längst nicht bei allen Firmen. So hat man bei einigen Firmen wegen sehr kleiner und unscharfer Fotos Schwierigkeiten, überhaupt etwas zu erkennen. Als vorbildlich kann man den Katalog von Interphila (Grobe & Lange) bezeichnen. Er kam mit 2 gesonderten Photokatalogen mit großen und deutlichen Abbildungen. Gegenbeispiel He. M.: ungeordnet, viel zu kleine Abbildungen, bei denen absolut keine Details erkennbar sind. Teilweise trifft das auch auf Ra. M. und Pu. zu.

Die Gruppierung von angebotenem Material in Sammelgebieten erleichtert die Suche nach interessierenden Losen erheblich, es gibt jedoch noch immer Firmen, die keinerlei Systematik in ihrer Reihenfolge der Lose haben. Ebenso ist es sehr störend, wenn die Reihenfolge der Abbildungen nicht mit den Losnummern übereinstimmt, zwar ist das Los abgebildet, jedoch das Auffinden eine mühselige Angelegenheit.

Die Losbeschreibung sollte lesbar sein. Nicht einmal diese Selbstverständlichkeit ist bei allen Firmen gegeben, so ist es mir nur mit einer Lupe gelungen, Teile des Kataloges der Firma Klus zu entziffern.

Und wenn Sie meinen, daß Sie in einem Auktionskatalog nichts finden, dann sehen Sie sich einmal den Katalog von Pumpenmeier an. Bei 30.537 Losen sind Sie zumindest lange beschäftigt.


6. Auffälligkeiten

Bei der Durchsicht vieler Auktionskataloge fallen einige Dinge auf. Oftmals ist es natürlich ein subjektiver Eindruck. Einige Beispiele: Bei He. M. gibt es seitenweise Bund/BerlinLose mit Schantl-Katalogwert (=PseudoPlattenfehler), der Michelwert wird hochgetrieben. Kl. S. geht bei seinen Losbeschreibungen über das normale Maß hinaus ( .... war nur 10 Tage möglich), In. schwelgt in Superlativen: einmalig schön, Prachtstück, Spitzenbeleg, Luxusstück usw. Kraus & Silbernagel beschreibt sehr fundiert, könnte leicht zu einem Handbuch werden.

Fazit:

Das Risiko eines Fehlkaufes oder einer Enttäuschung kann erheblich reduziert werden, wenn nur besichtigte Lose beboten werden. Auch bei geprüftem Material sollte gegenüber dem Auktionator der Vorbehalt der Nachprüfung schriftlich geltend gemacht werden. Wenn Sie das Los nicht selbst abholen können (=Kostenersparnis) dann bestehen Sie auf sicherer Versendungsform.
 

Klaus-Peter Lippoldes, Mitte 1998